Diskussion

Der linguale Abszess ist eine seltene potenziell lebensbedrohliche klinische Einheit, die oft als Notfall angesehen wird.3 Trotz der Exposition gegenüber vielen potenziellen Krankheitserregern ist die Zunge vergleichsweise immun gegen Infektionen und eine ungewöhnliche Abszessstelle. Zu den Gründen für diese Immunität gehört die ständige Beweglichkeit der Zunge, die dem Speichel hilft, eine ständige Reinigungswirkung zu erzielen; seine dicke Hülle aus keratinisierter Schleimhaut, die von Mikroorganismen nicht leicht durchdrungen werden kann; das Muskelgewebe, das den Hauptteil seines Parenchyms ausmacht, mit seiner reichen Gefäßversorgung; seine reiche Lymphdrainage; und die immunologischen Eigenschaften des Speichels.6 Der Zungenabszess zeigt sich häufig als schmerzhafte Schwellung, die zu Zungenprotrusion, Dysphagie, Odynophagie und Sprachschwierigkeiten führt.4,6 Es gibt 2 Formen von Läsionen nach Lokalisation: oberflächlicher oder tiefer Abszess.

Beim oberflächlichen Abszess befindet sich der Entzündungsprozess direkt unter der Schleimhaut. Der Hauptort ist die Rückseite der Zunge. Patienten klagen über Schmerzen beim Sprechen, Essen und Schlucken. Eine detaillierte Untersuchung wird durch die begrenzte Schwellung und Hyperämie in der Zunge bestimmt. Es ist dicht, vergrößert, schmerzhaft während der Palpation. Ein pathologischer Fokus mit einer solchen Anordnung kann sich öffnen und spontan von selbst abfließen. Danach spürt der Patient eine Verringerung der Schmerzen und eine Abnahme der Schwellung. Obwohl die Zungenwunde schnell epithelisieren kann, ist ein Rückfall des Abszesses ohne angemessene Behandlung möglich.

Der tiefe Abszess ist durch den Entzündungsprozess gekennzeichnet, an dem das tiefe Muskelgewebe der Zunge beteiligt ist. Der Verlauf ist schwerer, mit Fieber von 38° bis 39 °, allgemeiner Schwäche, Appetitlosigkeit und Kopfschmerzen.

Eine objektive Untersuchung zeigt eine signifikante Zunahme und Schwellung der Zunge. Es kommt zu einer Beeinträchtigung der Sprach- und Nahrungsaufnahme, der Speichel wird viskos. In schweren Fällen ist es für den Patienten schwierig, durch den Mund zu atmen und sogar Flüssigkeit zu trinken. Submandibuläre Lymphknoten wachsen normalerweise schnell und werden schmerzhaft, aber beweglich.

Verschiedene bildgebende Verfahren, einschließlich Sonographie, CT und MRT, können zur Beurteilung des Zungenabszesses verwendet werden. Die sonographische Untersuchung eines Zungenabszesses ergab eine echoarme Läsion, die von einem echoreichen Ring umgeben ist, aber die Sonographie ist nicht immer durchführbar, da der Patient bei geschwollener Zunge Unbehagen oder akute Schmerzen verspüren kann, wenn er gedrückt wird. Der Vorteil der Sonographie ist ihre Fähigkeit, gleichzeitig eine Diagnose des Zungenabszesses zu stellen und die Nadelaspiration zu leiten.7 Computertomographie ist hilfreicher bei der Diagnose von infektiösen Prozessen der Zunge. Das CT-Weichteilfenster ist nützlich, um den Ort des Abszesses zu identifizieren. Das Knochenfenster kann Zahninfektionen, Osteomyelitis des Unterkiefers oder Zahnstein des Submandibularkanals identifizieren.8

Die Magnetresonanztomographie ermöglicht eine bessere Visualisierung von Weichgewebe und vermeidet Artefakte des Kiefers und des Zahnamalgams. Typischerweise stellt sich der Abszess als T1–Hyperintense–T2-Hyperintense-Läsion dar, die von einem T1-Hyperintense-T2-Hypointense-Rand umgeben ist, der sich nach Kontrastmittelinjektion diffus verstärkt.9,10 Dieses diffuse oder peripher verstärkende Erscheinungsbild kann invasives Plattenepithelkarzinom, Mukoepidermoidkarzinom11 oder adenoides zystisches Karzinom12 nachahmen, obwohl es ein anderes klinisches Erscheinungsbild aufweist.

Ein weiterer wichtiger Gesichtspunkt ist, dass MRT Abszess von Cellulitis unterscheiden kann. Das Vorhandensein einer umgebenden Wand, ein periläsionales Ödem auf T2-gewichteten und Postkontrastbildern, ein Heiligenschein auf Postkontrastbildern und ein zentraler nekrotischer Bereich deuten stark auf einen Abszess hin. Bei Cellulitis sind die Weichteilverseilung und die Hautverdickung diagnostisch. Die wichtige Unterscheidung zwischen Zungenabszess und lingualer Cellulitis kann klinisch oft nicht getroffen werden. Der Zungenabszess löst sich nicht ohne ordnungsgemäße Inzision und Drainage auf, während die Inzision und Drainage einer Zungencellulitis klinisch nichts bewirkt.

Die erfolgreiche Behandlung des Zungenabszesses beginnt mit einer genauen Diagnose und besteht aus der Aufrechterhaltung der Atemwege, Inzision und Drainage, gefolgt von einer geeigneten Antibiotikatherapie, die gegen Streptokokken, Staphylokokken und gramnegative Anaerobier gerichtet sein sollte. Aspiration allein ist oft unzureichende Therapie, da persistierende Nidus der Infektion zu Abszessrezidiven führen kann, die Berücksichtigung wiederholter Aspiration oder Inzision und Drainage erfordern.

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